MUSIK. Der zwolfjahrige Junge aus Seoul ist ein außergewohnlicher Gitarrist. Millionen klicken seine Songs an.

Uber 150 Songs von Sungha Jung kann man im Internet anklicken. Wer ihn hort, staunt nicht nur uber seine Technik, sondern auch das Gefuhl, mit dem er spielt. (Fotos: privat) (privat)
 

Uber 150 Songs von Sungha Jung kann man im Internet anklicken. Wer ihn hort, staunt nicht nur uber seine Technik, sondern auch das Gefuhl, mit dem er spielt. (Fotos: privat)
GIESSEN. Wenn er da im Video so sitzt und mit seinen Spinnewipp-Fingern uber den Steg zaubert, dann glaubt der Betrachter zunachst an einen Trick, an Fake. Aber Sungha Jung fabriziert die Musik tatsachlich ganz allein und nur mit seiner Gitarre, viel Geschick und viel Gefuhl. Schon erstaunlich, zumal der Junge gerade mal zwolf Jahre alt und doch schon ein Großer der Szene ist, nicht auf der Buhne oder im Plattenladen, sondern allein im Intenet. Uber 150 Songs von ihm kann man bei "You Tube" anklicken, und viele Millionen haben das auch schon getan. So starten heutzutage Weltkarrieren.
Ulli Bogershausen (54) hat Sungha im vergangenen Juli in Seoul kennengelernt. Und der deutsche Gitarrist hat mit ihm gespielt. "Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele junge Gitarristen kennengelernt, auch und gerade bei meinen Tourneen in Asien. Aber Sungha ist außergewohnlich. Weil er nicht nur diese Technik hat, sondern fur sein Alter mit ungeheuer viel Gefuhl spielt. Er schafft es, den Zuhorer zu ruhren."
Der Kontakt kam auch deshalb zustande, weil der kleine Koreaner eine DVD des Deutschen in die Finger bekommen hatte, ein Live-Mitschnitt eines Konzerts in Taiwan. Sungha guckte hin und zupfte nach. "Er schaut sich das nur einmal an und spielt es dann. So konnte er bei meinem Konzert in Seoul mit auf die Buhne gehen."
Konzert in einer Gießener Kirche
Die Bekanntschaft tragt Fruchte. Sungha hat von einem deutschen Gitarrenbauer jetzt ein prima und einige tausend Euro teures Instrument zu Weihnachten geschenkt bekommen. Das kann nicht schaden, auch nicht der Firma, die naturlich hofft, dass der Name bei den neuaufgenommenen Stucken weltweit im Internet zu sehen sein wird. Werbung mit Breitenwirkung, nur mal zwei Beispiele: Sunghas "California Dreaming" wurde zwei Millionen Mal oder "With or Without You" bereits 3,2 Millionen Mal angeklickt.
Bogershausen konnte auch profitieren, zum Beispiel im April. Denn dann will Sungha nach Deutschland kommen. Und wenn es mit der Popularitat weiterhin so steil aufwarts geht, dann wird in der Kirche in Gießen, in der am 4. April das gemeinsame Konzert startet, keine Maus mehr ein Platzchen finden.
Auftritte auf einer Musikmesse sind auch geplant. "Insgesamt wird der Junge aber nur funf Tage in Deutschland sein. Langer hat der Vater nicht erlaubt. Damit Sungha in der Schule nichts verpasst. Das wird in Korea noch viel ernster gesehen als hier."
Und das ist wohl auch besser fur Sungha. Denn der ist, so erzahlt sein vaterlicher Freund aus dem Westen, ein ausgesprochen ruhiger Junge. "Sehr respektvoll, er sagt kaum was, wirkt absolut schuchtern; bis zu dem Moment, in dem er die Gitarre nimmt. Dann wird er sicher. Und soweit ich das beurteilen kann, spielt und ubt er allein aus eigenem Antrieb. Dem sitzt niemand im Nacken."
Per E-Mail sind die beiden Gitarristen standig in Kontakt. Allerdings lauft das kurioserweise uber New York. Dort lebt der Ubersetzer. Denn Sungha spricht kein oder kaum Englisch. "Er lernt jetzt aber fleißig. Und das muss er auch, wenn er weiterhin Karriere machen mochte. Er war schon in die Ellen DeGeneres-Show eingeladen, das wurde wieder gekippt, weil er da noch nicht genug Englisch sprach."
Wer sich vom musikalischen Talent des Jungen ein Bild und einen Ton machen will: www.youtube.com.Anspiel-Tipps: das Thema von "Mission Impossible", "Tears In Heaven" oder auch "Napulita". (NRZ)